Viele von euch haben sicherlich mitbekommen, dass unsere Beispielkonfigurationen seit längerem nicht aktualisiert wurden. Die Gründe dahinter und die Entwicklung der letzten Monate möchte ich hier erörtern.

Unsere Konfigurationen wurden seit Mitte Juli nicht mehr oder nur ganz minimal angepasst. Dies hängt viel mehr mit der aktuellen Hardwaresituation am Markt als mit unserer Faulheit zusammen. Die Konfigurationen rund um die GTX 1660 Super, RTX 2070 Super und AMDs 5700XT sind nach wie vor gute Empfehlungen für ihre entsprechenden Bereiche. Inzwischen haben allerdings sowohl Nvidia als auch AMD ihre neuen Grafikkartenserien released und AMD hat auch neue Prozessoren auf Zen 3 Basis am Markt. Allerdings ist die Situation aktuell noch schlimmer als beim Jahreswechsel 2017/2018, als der Bitcoin seinen damaligen Peak hatte.

Grafikkarten

Hardwaresituation: Preisentwicklung GTX 1660 Super
Preisentwicklung Zotac GTX 1660 Super Twin Fan (Quelle: geizhals.de)
Hardwaresituation: Preisentwicklung RX 5700XT
Preisentwicklung Sapphire RX 5700XT Pulse (Quelle: geizhals.de)
Hardwaresituation: Preisentwicklung RTX 2070 Super
Preisentwicklung MSI GeForce RTX 2070 Super Gaming X (Quelle: geizhals.de)

Die Verläufe zeigen, dass sämtliche Grafikkartenmodelle aktuell deutlich teurer sind als noch vor ca. 8-10 Wochen. Die Ankündigung der Ampere-Serie von Nvidia brachte zuerst einen (deutlichen) Preisnachlass bei einigen Modellen. Die gängigen Custommodelle der RTX 2070 Super kosteten vor Ankündigung ca. 530-550€. Dieser Preis fiel kurzzeitig auf unter 450€. Nach Release der Karten und der entsprechend knappen Verfügbarkeit stieg der Preis allerdings wieder an und liegt aktuell wieder (teilweise deutlich) über dem Niveau vor Ankündigung. Gerade bei der GTX 1660 Super ist dies fatal. Eine Konfiguration mit dieser Karte war üblicherweise im 650-800€ Preisbereich angesiedelt. Da die Karte aktuell kaum für unter 300€ lieferbar ist (+80-100€), werden solche PCs relativ zum Gesamtpreis deutlich teurer als es bei PCs über 1000€ der Fall ist. Zusätzlich zu den hohen Preisen ist die Verfügbarkeit sowohl für Endkunden als auch für Wiederverkäufer extrem eingeschränkt.

Hardwaresituation: Preisentwicklung RTX 3070
Preisentwicklung Gigabyte GeForce RTX 3070 Gaming OC (Quelle: geizhals.de)

Nur unwesentlich besser sieht es bei den neuen RTX 3000- Modellen aus. Hier ist die Verfügbarkeit inzwischen zwar deutlich besser bzw. stabiler, allerdings sind die Karten auch deutlich teurer als beim generell schon teuren Release. Zur Erinnerung: Die RTX 3070 sollte eine Karte im 500€ Preisbereich werden! Vereinzelt lassen sich 3070-Modelle auch im 600-650€ Preisbereich finden, hier muss wie immer ein Auge auf die Preisvergleichsangebote geworfen werden. Für diesen Preis kann man die Karte recht bedenkenlos kaufen, da es aktuell keine wirkliche Alternative (außer ggf. Gebrauchte Karten von Kleinanzeigen / eBay) gibt.

Die Nvidia RTX 3080 / AMD RX 6800(XT) / 6900XT lasse ich aus der Beobachtung bewusst außen vor, weil die Situation hier nochmals extremer ist als bei der 3070 und die Preise nicht rechtfertigbar sind.

Prozessoren

Etwas weniger extrem sind die Auswirkungen bei den Prozessoren. Auch hier war / ist eine Preissteigerung spürbar. Allerdings waren AMD-Modelle stärker betroffen als Intel Modelle. Dies hat ggf. mit der aktuell schwächelnden Marktposition von Intel zu tun, um hier wieder etwas Boden gut zu machen.

Hardwaresituation: Preisentwicklung Ryzen 3600
Preisentwicklung AMD Ryzen 5 3600 (Quelle: geizhals.de)
Hardwaresituation: Preisentwicklung Ryzen 3700X
Preisentwicklung AMD Ryzen 7 3700X (Quelle: geizhals.de)
Hardwaresituation: Preisentwicklung Ryzen 5600X
Preisentwicklung AMD Ryzen 5 5600X (Quelle: geizhals.de)

Gerade beim Ryzen 3600 war die Entwicklung besonders krass zu spüren. Die CPU war über den Sommer hinweg durchgängig für ca. 160-170€ verfügbar. Hier sind die Preise auf bis zu 240€, also 50% mehr, gestiegen. Beim Ryzen 3700X war die Situation nicht ganz so extrem spürbar, aber auch hier ist der Preis gegenüber den üblichen ~260€ um 30-40€ gestiegen.

Zum Vergleich: Intels Core i5 10600K hat im selben Zeitraum einen Preisverfall erlebt.

Hardwaresituation: Preisentwicklung 10600K
Preisentwicklung Intel Core i5 10600K (Quelle: geizhals.de)

Durch diese Entwicklung war Intel zeitweise wieder attraktiver im 200€ Bereich. Das größte Argument für die Verwendung des Ryzen 3600 waren bislang ein günstiger Preis bei niedrigen Plattformkosten gepaart mit nur minimalen Einbußen im Gamingbetrieb gegenüber Intel. Bei ca. 100€ Ersparnis gegenüber dem 10600K konnte man die etwas bessere Gamingperformance des Intel Chips im Full HD Betrieb beinahe ignorieren. Wenn aber die AMD CPU nun 240€ kostet und der Intel nur 220€, kommt man auf beinahe identische Gesamtpreise der Plattform und der Intel macht in einem Gamingrechner wieder mehr Sinn.

Fazit und Entwicklung

Zumindest bei den Prozessoren scheint sich die Situation wieder zu beruhigen. Der Ryzen 3600 ist wieder unter 200€, der Ryzen 3700X kratzt auch wieder an den 250€ und auch die Preise für die Ryzen 5000 Modelle nähern sich langsam Regionen an, wo sie eine Empfehlung sein können. Hier wird es im Januar sicherlich noch ein Update der Beispielkonfigurationen geben.

Anders sieht es bei den Grafikkarten aus. Hier scheint die Verfügbarkeit sowohl bei den „alten“ als auch bei den neuen Karten das größte Problem zu sein. Gerade im Preisbereich unter 300€ ist die Situation extrem unangenehm, da es noch keine neuen Alternativen gibt. Die hohen Preise der RTX 3000 Serie werden sich auch noch einige Monate halten, da eine Entspannung der Angebot-Nachfrage Situation erst Ende Quartal 1 2021 zu erwarten ist. Hier bleibt also zu hoffen, dass Nvidia die erwarteten Chips der 3060-Reihe und darunter schneller und zuverlässiger produzieren kann als die Chips im 500+€ Bereich. Dadurch würde der Markt für PCs unter 1000€ wieder deutlich entspannen und im Bereich ab ca. 1200-1300€ gibt es mit der RTX 3070 zumindest eine Karte, die zu halbwegs fairen Preisen verfügbar ist.

Hardwaresituation Quartal 4/2021- Ein Kommentar